Augenpflege – aber richtig!
Schonen, schützen, pflegen
Oft muss nur ein wenig Schmutz aus dem Augenwinkel entfernt werden, manchmal müssen Augen gespült, nicht selten sogar mit wichtigen Medikamenten versorgt werden. So oder so gar nicht so einfach – da braucht ein sehr wichtiges und dabei äußerst empfindliches Sinnesorgan eine gute Versorgung, gleichzeitig aber sieht der Inhaber und Nutzer dieses anatomischen Elements die Notwendigkeit so gar nicht ein und weigert sich beharrlich, artig still zu halten. Und mit Druck oder gar Gewalt lässt sich hier nichts erreichen…
Bei der Pflege und noch mehr wohl bei der Anwendung von Medikamenten kommen im Idealfall gegenseitiges Vertrauen und die richtige Vorgehensweise zusammen.
Jedes Pferd muss es gewohnt sein, von seiner zweibeinigen Vertrauensperson am Auge angefasst zu werden. Dies sollte immer wieder geübt werden, aber am besten ganz beiläufig, ohne viel Aufhebens zu machen. Mal eben die Augenwinkel auswischen, kurz einen Blick auf die Bindehäute werfen – das muss für jedes Pferd, aber auch für jeden Pferdemenschen Routine sein – oder werden.
Bei wehrigen, kopfscheuen Pferden beginnt man mit einem Minimum, mit genau der Art, Intensität und Dauer von Manipulation, die sich das Pferd gerade noch so stressfrei gefallen lässt. Ganz nebenbei, beim Putzen, bei der Nachsorge nach dem Training, beim Besuch auf der Weide. Mal die Augenumgebung säubern, mal Nachschauen, bis dies Alltag geworden ist. Nur ein Pferd, das gelernt hat, sich dabei nicht zu fürchten und aus Furcht dann zu wehren, das sich sicher und gut aufgehoben fühlt, wird dann auch unter Stress und Schmerz kooperativ bleiben – also dann, wenn eine Augenerkrankung oder -verletzung Manipulationen unumgänglich macht. Bei vielen Augenerkrankungen oder -verletzungen ist es nämlich unumgänglich, mehrmals täglich Medikamente einzugeben – hier ist der Pferdehalter selbst gefragt und wird in die Pflicht genommen.
Grundsätzlich gilt: Bevor Sie am Auge Ihres Pferdes Hand anlegen, bitte einmal gründlich selbige waschen! Wenn dies gerade nicht möglich ist, bitte Einmalhandschuhe überziehen. Bei allen Erkrankungen sollten Sie penibel darauf achten, für jedes Auge neue Pflegematerialien und neue Handschuhe einzusetzen, um nicht unbemerkt Keime zu verschleppen.
Watte gehört NIE auch nur in die Nähe eines Auges! Nutzen Sie keinesfalls Watte zum Säubern, Fussel könnten ins Auge gelangen und es stark reizen. Kamillentee und andere Hausmittel sollten nicht zum Spülen oder gar als Arznei eingesetzt werden, sie enthalten Schwebstoffe und sind nicht steril!
Augen säubern
Tränenspuren reinigen, Staub und Schmutz aus dem inneren Augenwinkel entfernen, kleine Krüstchen vom äußeren Augenwinkel lösen – dies und nicht mehr ist gemeint, wenn vom Säubern der Augen die Rede ist. Gearbeitet wird immer vom Auge weg, nie ins Auge hinein. So wird nicht etwa weiterer Schmutz etwa aus dem Fell ins Auge hineingetragen und zudem können so kaum Verletzungen auftreten, etwa infolge von Abwehrbewegungen des Pferdes.
Was immer Sie zur Pflege nutzen: Es gehört nicht ins Auge selbst, sondern wird nur darum herum eingesetzt, ist aber grundsätzlich auch gut verträglich, sollte es doch einmal ins Auge geraten.
Verschmutzungen lassen sich hervorragend mit speziellen Augenpflegetüchern entfernen. Alternativ klappt es auch prima mit sterilen Kompressen, die mit einer unkritischen, das Auge nicht reizenden Lösung getränkt sind, etwa mit einer speziellen Augenspüllösung. Krusten können mit etwas Pflegeöl (Babyöl) oder einem Rest abgelaufener Augensalbe angelöst werden, bevor man sie vorsichtig entfernt. Ausgeprägte Tränenstraßen werden mit einem feuchten Lappen zart gereinigt. Wenn Sie das Auge selbst spülen sollen – ausschließlich auf Anweisung des Tierarztes und mit vom Tierarzt überlassenen oder empfohlenen Flüssigkeiten – gehen Sie vor wie nachfolgend beschrieben (Medikamente anwenden).
Bindehäute betrachten
Mit einem relativ einfachen Handgriff lassen sich die Lidbindehäute so darstellen, dass sie beurteilt werden können, etwa um Entzündungen auf die Spur zu kommen oder zur Beurteilung des Kreislaufzustands. Ober- und Unterlid werden dabei ein wenig vom Augapfel weg- und umgeklappt, sodass ihre Innenseite und der Winkel zum Augapfel sichtbar werden. Mit demselben Handgriff können auch Medikamente ins Auge eingebracht werden – siehe…
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Text und Foto: Angelika Schmelzer
