Futtermanagement: Richtig füttern am Turniertag (und davor)
Die Turniersaison ist eröffnet die Pferde sind nicht nur wieder voll im Training, sondern auch wieder vermehrt auf Reisen. Jetzt lohnt es sich, unseren vierbeinigen Partnern das extra Plus an Management zu geben. Dazu zählt auch, einen Blick auf die Fütterung zu werfen, denn selbst für den abgeklärtesten alten Hasen bedeuten Hängerfahren, Ortwechsel und Prüfungen zusätzlichen Stress. PFERDE fit & vital hat nachgefragt bei Fütterungsexpertin Dr. Felicitas Drebes.
Das Turnier steht bevor – was sollte man in Fütterung beachten?
Dr. Felicitas Drebes: Vor einem Turnier ist eigentlich nur eines zu beachten: keine kurzfristigen Änderungen vornehmen, damit der Verdauungstrakt nicht zusätzlich belastet wird. Ansonsten gelten die grundsätzlichen Empfehlungen in Sachen Fütterung: genügend qualitativ hochwertiges Heu und anderes Raufutter, je nach Leistung zusätzlich proteinreiches Krippenfutter und eine Vitamin-Mineral-Ergänzung. Hafer eignet sich als Krippenfutter sehr gut, da er gern gefressen wird und leicht verdaulich ist. Die Futtermittelindustrie bietet aber auch eine Reihe sehr guter Fertigmischungen an, die zudem speziellen Bedürfnissen wie zum Beispiel einer Getreideunverträglichkeit gerecht wird – im Zweifel einfach einen unabhängigen Futterexperten hinzuziehen!
Turnier, Transport etc. – das bedeutet zusätzlichen Stress fürs Pferd. Macht die Zufütterung von „Anti-Stress-Zusätzen“ wie Magnesium Sinn?
Dr. Felicitas Drebes: Die Zufütterung von Magnesium macht aus ernährungsphysiologischer Sicht nur Sinn, wenn das Pferd vorher einen Mangel hatte. In unseren Breiten sind Pferde aber häufig bereits über das Heu ausreichend versorgt und bekommen noch ein Mineralfutter dazu, so dass echte Mängel sehr selten sind. Trotzdem setzen es viele Reiter mit Erfolg ein, was auch an einem gewissen Placeboeffekt liegen mag. Ernährungsphysiologisch ist es nicht sinnvoll, weil es die Aufnahme anderer Mineralstoffe stören kann. Was wissenschaftlich bewiesen sehr gut gegen Stress hilft, ist das Fressen an sich. Durch die tiefe Kopfhaltung und das Kauen wird das parasympathische Nervensystem angesprochen und die Pferde entspannen. Daher ist es sinnvoll, wann immer möglich Heu oder auch mal das Lieblingsmash anzubieten, um nervöse Pferde zwischendurch runterzufahren.
Wie sieht es am Turniertag aus – wie kann ich mein Pferd zusätzlich unterstützen?
Dr. Felicitas Drebes: Auf jeden Fall sollte das Pferd immer gutes Heu zur Verfügung haben, auch auf dem Transport. Das ist nicht nur wichtig für den Magen, weil der Speichel die Magensäure puffert. Kontinuierliches Kauen entspannt und beruhigt auch. Kraftfutter sollte in mehreren kleinen Rationen gegeben werden. Nach der Prüfung sollte zuerst darauf geachtet werden, dass das Pferd ausreichend Wasser aufnimmt. Danach kann eine Portion Mash sinnvoll sein und dann am besten wieder Heu. Mash unterstützt die Wasseraufnahme und wird auch sehr gerne gefressen. Es hilft dadurch auch aufgeregten Pferden, wieder zu entspannen. Zudem ist es leicht, belastet den Magen- und Darmtrakt nicht und unterstützt durch die Faserstoffe die Verdauung. Wichtig ist aber, dass man an Turniertagen nur bekannte Futtermittel füttert, die die Pferde auch zuhause bekommen, so dass es keine abrupten Futterumstellungen gibt.
Wenn die Temperaturen steigen, schwitzen die Pferde natürlich mehr – wie wirkt man dem Flüssigkeitsverlust entgegen?
Dr. Felicitas Drebes: Das ist tatsächlich sehr wichtig – und gilt nicht nur fürs Turnier, sondern auch im Stall zuhause. Grundsätzlich sollte immer frisches Wasser zur Verfügung stehen. Wenn die Pferde stark schwitzen, sollte man auf jeden Fall Elektrolyte zusätzlich geben. Über den Schweiß verliert das Pferd ja nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte und andere Stoffe. Diese sollten dann extra zugeführt werden, bei Bedarf auch schon am Tag vor dem Turnier. Ganz wichtig ist dann jedoch, dass dem Pferd auch Wasser zur Verfügung steht. Ein Tipp: Da manche Pferde mit dem Trinken in fremder Umgebung ziemlich heikel sind, lohnt es sich, den Eimer, aus dem es zuhause trinkt und eventuell auch Wasser mitzunehmen. Man kann auch versuchen, ob ein Schuss Apfelsaft oder Malzbier im Wasser zum Trinken anregt.
