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„Mit viel Wissen in die Praxis und voran!“
Bea Borelle ist weithin nicht nur als erfolgreiche, sondern auch als einfühlsame Pferdefrau bekannt – sowohl in ihren eigenen Leistungen als auch als Vermittlerin ihres Wissens. Pferde fit & vital hat der Ausbilderin acht Fragen gestellt, um einen Blick auf ihren Werdegang, ihren Alltag mit Pferden und ihre zugrundeliegenden Prinzipien zu eröffnen.

Gibt es ein kurz zu formulierendes Motto, nach dem Sie persönlich die Ausbildung von Reiter und Pferd gestalten? Welche zugrundeliegenden Prinzipien sind Ihnen besonders wichtig?
Bea Borelle: Das Motto lautet „Mit viel Wissen in die Praxis und voran!“. Grundlegendes
Prinzip ist das, was auch in der Légèreté wichtig ist: ein hoch aktives, motiviertes Pferd an
leichten Hilfen.

Welche Ereignisse haben Sie persönlich in Ihrer Laufbahn als erfolgreiche Ausbilderin besonders beeinflusst und geprägt?
Bea Borelle: Meine Lehrer, meine Fragen und Neugierde, meine Pferde … Ereignisse? Mein Lernen kann ich nicht auf ein oder mehrere
Ereignisse reduzieren. Es ist das (Er-)Leben mit Pferden schlechthin, es sind die damit verbundenen Fragen und das Glück, nur die besten Lehrer gehabt zu haben, statt die Zeit sinnlos in irgendwelchen fragwürdigen Reitschulen verbracht zu haben. Es war und ist eine beständige Aneinanderreihung von Erkenntnissen.

Viele besondere Pferde haben Ihre Laufbahn begleitet. Gibt es dabei eines, das Ihrem Herzen besonders nahe steht, oder haben alle den gleichen Platz?
Bea Borelle: Na, was für eine Frage! Wer mich kennt, weiß die Antwort: Ben der Unbeschreibliche!!!
Nein, Pferde haben nicht den gleichen Platz, wie auch Kinder nicht den gleichen Platz haben, selbst wenn die Eltern es gerne so hätten.
Ben war eine gezielte und entschlossene Wahl. Er ist inzwischen 31 Jahre und hat das Privileg, bis an sein Lebensende bei mir bleiben zu dürfen. Alle anderen Pferde haben mich mühsam überzeugen müssen, bis ich sie sehr geliebt habe, und das tat ich schließlich bei allen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an einem Pferd in besonderem Maße – und warum?
Bea Borelle: Mir liegen extrovertierte, energiegeladene Pferde am meisten. Und damit entsprechen sie meinem eigenen Charakter. Diese Pferde sind leicht zu motivieren und sehr leistungswillig und eben auch leicht zu lesen. Dass man diesen Pferdetyp oft sehr beruhigen muss, stört mich nicht und dafür habe ich zahlreiche Lösungen. Auch ist das Antizipieren von Lektionen etwas, mit dem ich besser zurechtkomme, als wenn ein Pferd so gar nichts anbietet. Zurzeit besitze ich eine Trakehnerstute namens Skamilla, die mich an meine Grenzen bringt und eine echte Herausforderung für mich darstellt: schwierig vom Exterieur, introvertiert – und sie fragt ständig „Warum?“.

Neben dem Reiten spielen auch die Haltung und der Umgang mit dem Pferd eine relevante Rolle, um erfolgreich zu sein. Was ist Ihrer Ansicht nach in diesem Zusammenhang besonders wichtig?
Bea Borelle: Für mich ist Bodenarbeit unerlässlich, um die Beziehung zum Pferd zu gestalten, und darüber hinaus natürlich Paddock-Boxen mit Weidegang. Ich halte gar nichts von Pauschalisierungsunterbringung eines Pferdes. Es gibt die, die den Schutz einer Einzelhaltung benötigen, und wiederum andere, die in einen Aktivstall müssen. Dazwischen ist eine individuelle Spanne.

Welche Eigenschaften braucht ein Reiter, um ein guter Reiter werden zu können?
Bea Borelle: Jede Menge, frustrierender Weise, jede Menge, und damit trennt sich auch enorm die Spreu vom Weizen. Neugierde, Charakter-stärke, Frustrationstoleranz, Analysefähigkeit, sich in Frage stellen können, sich zurücknehmen können, sich klar vertreten können, Gefühle
zulassen, aber auch kontrollieren können, Wissen (Technik, Equipment, Haltung, Psychologie), Intelligenz, Einfühlungsvermögen, Körpergefühl, Sportlichkeit und Körperbeweglichkeit, Empathie, Geld – sehr viel Geld, Zeit – sehr viel Zeit, Geduld, Energie, Phantasie, Entscheidungsfähigkeit.

Was macht Ihrer Ansicht nach einen guten Reiter aus – wie könnte man in Ihren Worten den Erfolg eines Reiters definieren?
Bea Borelle: Indem er eine gute und reichhaltige Mischung von alledem hat, was ich zur vorherigen Frage beschrieben habe, plus gute Lehrer – Mensch wie Pferd!

Inwiefern bereichert Sie persönlich der Alltag mit Pferden bzw. als Ausbilderin?
Bea Borelle: Pferde und diesen Beruf zu haben bereichert und engt ein. Es bereichert, weil man ein ungeheuer erlebnisreiches Leben mit Mensch und Pferd führt. Man erlebt auf allen Ebenen und zwar sehr, sehr stark: riechen, fühlen, sehen, hören, sich bewegen, selbst schmecken, alle Sinne werden sehr intensiv angesprochen. Freude, Herausforderung, Kritik einstecken können, Erfolg und Misserfolg, Anerkennung – das Leben ist einfach in seiner vollen Spannweite da!
Ein intensives Leben mit Pferden sogar als Beruf engt aber auch ein. Denn in dieser Intensität zu arbeiten, um das angestrebte Niveau zu erreichen, lässt nicht mehr viel Zeit für anderes.

Wir danken für das Gespräch!

 

Zur Person
Bea Borelle hat als Elfjährige mit dem Reiten begonnen und ist, wie sie sagt, „wie von Engelshand in ihr
reiterliches Leben geführt worden”. Ursprünglich Sozialpädagogin mit vierjähriger Tätigkeit in der Jugend- und Erwachsenenbildung, hat
sie Hobby und Beruf schließlich kombiniert.
Sie gibt ihr Wissen ausschließlich in Kursform weiter, weil sie das für eine sehr sinnvolle Wissensvermittlung hält. Ihre Lehrer waren Claus Penquitt, Richard Hinrichs, Linda Tellington-Jones und bis heute Philippe Karl.

Philippe Karl und Bea Borelle bieten immer wieder Praktikumsplätze in Frankreich an. Näheres: info@bea-borelle.de

www.bea-borelle.com

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