Eine schöne Oberlinie – so geht‘s

Mehr als ein Schönheitsideal

Eine gut entwickelte Oberlinie ist weit mehr als ein Schönheitsideal. Sie ist für die Gesunderhaltung des Pferdes und seine langfristige Leistungsfähigkeit von großer Bedeutung. Mit ausgewogener Fütterung und dem richtigen Training lässt sich dies bei jedem gesunden Pferd erreichen.

Der Begriff „Oberlinie“ bezeichnet die vom Genick bis zum Schweifansatz des Pferdes laufende, geschwungene Linie, wie man sie im Seitenbild wahrnehmen kann. Sie wird von der Wirbelsäule und anderen anatomischen Strukturen vorgegeben und in ihrer individuellen Ausprägung vor allem durch die hier verlaufende Muskulatur bestimmt. Die Oberlinie ist ein dynamischer Eindruck, der sich aus der Beurteilung eines Pferdes im Stand ergibt und in der Bewegung verändern kann. Zudem wird die Oberlinie ganz entscheidend durch den aktuellen Zustand der Muskulatur bestimmt, ist also immer eine Momentaufnahme, die beispielsweise auch vom Alter oder dem Trainingszustand abhängt. Deshalb ist sie nicht gleichzusetzen mit der angeborenen Rückenform: Selbst wenn ein Pferd von Natur aus eine Neigung zu Abweichungen vom Optimalzustand mitbringt, kann durch eine Kombination aus gutem, konsequentem Training, optimalem Management (viel Bewegung und Auslauf, passender Sattel etc.) und entsprechender Fütterung eine schöne Oberlinie erreicht und erhalten werden.

Faktor 1: Fütterung
Eine optimale, der Leistung des Pferdes angepasste Fütterung ist einer der wichtigsten Faktoren für eine schöne Oberlinie. Das hat allerdings nichts mit der reinen Zufuhr von Kalorien zu tun. Für die Muskulatur ist eine optimale Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen sowie Vitaminen in Kombination mit hochwertigen Proteinen (Eiweiß) wichtig. Muskeln bestehen zu über 70 Prozent aus Eiweiß, daher ist für ihre Bildung und ihren Erhalt aus fütterungstechnischer Sicht auch die Zufuhr einer dem individuellen Bedarf entsprechenden Menge an hochwertigem Eiweiß nötig. Die Qualität des Rohproteins und die Menge der essentiellen Aminosäuren sind dabei von Ausschlag gebender Bedeutung. Essentielle Aminosäuren sind zwar bereits im Raufutter enthalten, doch nicht in der Menge, die ein Pferd bei stärkerer Beanspruchung benötigt. Sie müssen also je nach Leistung über die Krippenfütterung zugeführt werden. Die Futtermittelhersteller bieten eine Vielzahl von Produkten speziell zur Unterstützung des Muskelaufbaus an – entweder in Form von hochwertigem, energie- und eiweißreichem Kraftfutter oder in Form sogenannter Supplements. Welches Produkt man dann für das eigene Pferd wählt, kommt immer auf die jeweilige Situation an – Futtermittelexperten können helfen, das individuell am besten passende Futtermittel zu wählen. Einige Universitäten bieten eine unabhängige Ernährungsberatung gegen einen Unkostenbeitrag an, so etwa die LMU München und die Universität Leipzig. Wenn dann alle Faktoren stimmen, auch der Gehalt an allen essentiellen Aminosäuren, wird sich die Oberlinie auffallend verbessern.

Faktor 2: Training und Regeneration
Um Muskeln aufzubauen, müssen sie regelmäßig…

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Zum Foto: Nicht zu unterschätzen für eine gut entwickelte Oberlinie ist auch der Einfluss einer möglichst pferdegerechten Haltung.
Foto: Nicole Cicato/stock.adobe.com
Text: Ramona Billing