Alles hängt zusammen

Anatomie & Physiologie des Pferderückens

Wer im Pferdesport, in der Pferdezucht aktiv ist, interessiert sich fast zwangsläufig für den Pferderücken: Pferdefreunden geht es dabei weniger um anatomische Details, sondern vor allem um Fragen der Funktionalität. in wichtiger Knackpunkt: Wir nehmen als Reiter auf dem Pferderücken Platz und beeinträchtigen dabei selbstverständlich seine natürlichen Funktionen, erwarten aber andererseits Leistung in Sachen Schubkraft und Tragkraft. Kann der Rücken das – und wenn ja, wie hängt das mit seiner Anatomie und Physiologie zusammen?

Wer den Pferderücken in den Fokus nimmt, wird schnell feststellen: Detailwissen wie viele Halswirbel hat ein Pferd? – hilft hier nur bedingt weiter. Es legt lediglich die Grundlagen und damit die Basis für ein tieferes Verständnis, aus dem heraus Pferdefreunde verantwortungsvoll mit unveränderlichen, pferdetypischen Merkmalen umgehen. Die Frage lautet also zunächst „Wie ist der Pferderücken gebaut?“ und muss dann erweitert werden in Richtung „Was bedeutet dies für seine Funktionen?“ und ebenso hinsichtlich „Wie hängt das alles zusammen?“. Dann lassen sich auch Rückschlüsse auf ein rückengerechtes Pferdetraining ziehen oder Ursachen für Rückenprobleme herleiten.

Details oder großes Ganzes?
Wer sich für die Anatomie des Pferderückens interessiert, fragt nach Knochen, Gelenken und Muskulatur. Indirekt spielen auch das Zentralnervensystem und wichtige Organe eine Rolle, das Hauptaugenmerk liegt aber auf den Funktionen des Pferderückens als Teil des passiven und aktiven Trageapparats. Dabei sollten wir nicht nur aus der Perspektive des Reiters fragen, sondern die Pferdegesundheit ganz allgemein oder andere Formen des Einsatzes von Pferden (zur Zucht, im Fahrsport, …) ebenfalls berücksichtigen.
Als „Rücken“ wird gemeinhin die obere bzw. hintere (Mensch) Seite des Rumpfes bezeichnet, etwa vom Beginn der Brustwirbelsäule bis zur Lendengegend. Teils dient auch das Rückgrat in seiner gesamten Länge als Orientierung, wodurch der Bereich des Rückens dann vom ersten Halswirbel bis zum letzten Schweifwirbel reichen würde. Nicht nur die Knochen der Wirbelsäule inklusive des Kreuzbeins, sondern auch die Rippen, das Schulterblatt und das Becken können als Teil des knöchernen Rückens betrachtet werden. Der Rücken wird stabilisiert und bewegt durch eine Vielzahl von Muskeln unterschiedlicher Größe und Funktion. Einen Teil dieser Muskulatur können wir erkennen und sogar beurteilen, andere, wichtige Elemente der Bemuskelung liegen allerdings in der Tiefe und sind zudem sehr klein – sie bleiben unseren Blicken ebenso verborgen wie unseren tastenden Fingern. Gelenke verbinden Knochen miteinander und ermöglichen eine jeweils individuelle Kombination von Stabilität und Beweglichkeit in Abhängigkeit von ihrem Bau und ihrer Ausstattung mit Muskeln.
Alles zusammen ist also „Rücken“ – und trotzdem ist klar, dass selbst ein detailliertes Bild unvollständig bleiben muss. Oberlinie, Sattellage, Bemuskelung, Stellung des Beckens – viele Aspekte des Pferde-Exterieurs im Bereich des Rückens lassen Rückschlüsse auf die Funktion zu und bleiben doch lückenhaft, wenn sie nicht in Relation zum großen Ganzen gesehen werden: zum Pferdekörper insgesamt und zu der Art, wie er funktioniert bzw. genauer, wie er sich bewegt.

Die Knochen – das Gerüst des Rückens
Die Wirbelsäule ist anatomisch das zentrale Element des Rückens wie auch des gesamten Körpers. Sie ist aufgebaut aus zahlreichen einzelnen Knochen, den Wirbelknochen, die hintereinander angereiht und miteinander verbunden sind. In ihrer Gesamtheit bilden die Wirbel…

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Text: Angelika Schmelzer