Winter Goodies

Mash & Kräutertees

Wenn Pferde nach der diesjährigen Weidesaison an Substanz verloren haben, kann ein selbst zusammengestelltes Mash eine sinnvolle Ergänzung zur täglichen Fütterung sein. Die Basis bilden aufgeschlossene und gut verträgliche Faserträger wie Heu-, Luzerne- oder Teffcobs.
Unterstützend bei Problemen der Atemwege kann zudem eine Tasse wohltuender Tee sorgen. Je nach Kräutermischung bringen Heilkräuter wie Spitzwegerich, Thymian und Eibischwurzel nicht nur feine Aromen mit, sondern werden traditionell auch für ihre wohltuenden Eigenschaften geschätzt.

Teffgras und Luzerne liefern neben Energie auch hochwertiges Protein und sind deshalb gerade für Pferde im Aufbau interessant. Gerade für stoffwechselempfindliche Pferde empfehlen sich Teffcobs, die durch einen besonders niedrigen Gehalt an Zucker/Fruktan in Verbindung mit hochwertigem Eiweiß in höherer Menge als beispielsweise Heu-Cobs punkten.
Auf Getreide, große Mengen Weizenkleie oder stärkereiche Mischfutter sollte auch bei Raufutterknappheit nicht reflexartig gesetzt werden. Für die Gewichtszunahme lässt sich Energie über Faser und Fett deutlich sinnvoller konzentrieren. Das ist insbesondere bei Pferden interessant, die empfindlich auf größere Kraftfuttermengen reagieren bzw. unter Stoffwechselproblemen leiden.

Ohne Leinsamen geht nichts
Traditionell gehört in ein Mash immer Leinsamen (geschrotet und/oder aufgekocht) beziehungsweise stabilisierte, fütterungsfertige Leinprodukte. Leinsamen sorgt aufgrund seiner gelartigen Konsistenz im aufgeweichten Zustand für ausreichend Schleimstoffe, die den Verdauungstrakt des Pferdes sinnvoll unterstützen können und liefert zudem wertvolle Fettsäuren.
Um das Mash besonders gehaltvoll zu machen, kann eine moderate Menge hochwertiges Pflanzenöl zugegeben werden. Fett erhöht die Energiedichte der Ration, ohne große Mengen Stärke füttern zu müssen. Die Umstellung auf eine fettreichere Fütterung sollte allerdings langsam erfolgen, da sich der Verdauungstrakt daran erst anpassen muss.

Immer gut aufquellen lassen!
Das Mash wird mit reichlich warmem Wasser angesetzt und wird aufgequollen lauwarm verfüttert. Bei empfindlichen Pferden empfiehlt sich zunächst eine kleinere Portion. Soll das Pferd tatsächlich an Gewicht zu legen, wird das Mash zwei- bis dreimal pro Woche als Aufwertung der täglichen Ration gefüttert.

Mash ist eine Ergänzung und kein Ersatz!
Gerade im Herbst und Winter muss hochwertiges Heu in ausreichender Menge und ohne längere Fresspausen (nicht mehr als 4 bis maximal 6 Stunden) zur Verfügung stehen. Für eine Gewichtszunahme ist eine höhere Futterqualität oft sinnvoller als einfach größere Mengen. Eine Heuanalyse inkl. Rationsberechnung ermittelt den genauen Bedarf und ob Energie, Protein oder bestimmte Mineralstoffe tatsächlich zu knapp oder zu üppig bemessen sind.

Regelmäßige Kontrolle
Die Entwicklung sollte regelmäßig über Körpergewicht, Körperkondition und Zustand der Muskulatur kontrolliert werden. Ziel ist eine langsame, kontinuierliche Zunahme – nicht das schnelle „Aufpolstern“. So kann das Pferd Substanz und Muskulatur aufbauen und gut vorbereitet in die kalte Jahreszeit starten.

Mash Grundrezept
Ein mögliches Grundrezept für ein
durchschnittliches Großpferd wäre
beispielsweise:

• 1–1,5 kg eingeweichte Heu-, Luzerne-
oder Teffcobs
• 100 bis 200 g geschrotete, vorgequollene Leinsaat bzw. fertiges Leinprodukt,
• 50 bis maximal 100 ml Öl
• 2 Esslöffel Salz.

Gerade dieses Jahr ist das Grundfutter Heu in vielen Fällen natriumarm, so dass Salz substituiert werden sollte.

Tee:

Ein Wohltat für die Atemwege

Wenn ein Pferd hustet, vermehrt Schleim zeigt oder schwerer atmet, liegt der Gedanke nahe, die Atemwege mit Kräutern und Tee zu unterstützen. Tatsächlich werden verschiedene Heilpflanzen traditionell eingesetzt, um gereizte Schleimhäute zu beruhigen oder die natürliche Schleimlösung zu fördern. Wichtig ist jedoch: Tee kann eine Atemwegserkrankung nicht behandeln oder die tierärztliche Therapie ersetzen. Bei wiederkehrendem Husten, Nasenausfluss, Leistungseinbruch oder erhöhter Atemarbeit sollte zunächst die Ursache abgeklärt werden. Gerade beim Equinen Asthma sind staubarme Haltung und Fütterung sowie – je nach Schweregrad – Medikamente die entscheidenden Maßnahmen. Für Kräutermischungen gibt es dagegen bislang nur wenige belastbare wissenschaftliche Nachweise.
Als unterstützende Teemischung bietet sich eine Kombination aus Spitzwegerich, Thymian und Eibischwurzel an. Spitzwegerich wird traditionell bei gereizten Atemwegen verwendet, während Thymian traditionell zur Unterstützung der natürlichen Schleimlösung eingesetzt wird. Eibischwurzel enthält Schleimstoffe, die sich wie eine schützende Schicht auf gereizte Schleimhäute legen können.
Spitzwegerich wird traditionell zur Unterstützung gereizter Atemwegsschleimhäute eingesetzt. Er enthält einen Wirkstoffkomplex, der gezielt an den Schleimhäuten ansetzt: die enthaltenen Schleimstoffe wirken mechanisch lindernd und beruhigen damit den Hustenreflex. Sein Inhaltsstoff Aucubin wirkt antibakteriell wie ein leichtes, natürliches Antibiotikum. Die im Spitzwegerich enthaltenen Gerbstoffe ziehen entzündetes Gewebe zusammen und dämmen Schwellungen ein. Zudem wirkt die Heilpflanze krampf- und schleimlösend.
Thymian wird ebenfalls traditionell bei Atemwegserkrankungen eingesetzt. Die enthaltenen ätherischen Öle (vor allem Thymol) wirken schleimlösend, krampflösend auf die Bronchien und hemmen das Wachstum von Bakterien sowie Viren.
Echter Eibisch (Althaea officinalis, Arznei-Eibisch oder Weiße Malve genannt) ist eine mehrjährige Heilpflanze aus der Familie der Malvengewächse. Er wird bis zu 1,50 Meter hoch, hat filzige Blätter und zarte, hellrosa bis weiße Blüten. Die schleimstoffreichen Wurzeln der Pflanze werden traditionell in der unterstützenden Therapie von Atemwegserkrankungen eingesetzt. Die Eibischwurzel ist reich an Schleimstoffen. Sie schützt und beruhigt gereizte Schleimhäute eingesetzt. So legt sich ein Kaltauszug aus der Eibischwurzel wie ein Schutzfilm lindernd über die angegriffenen Schleimhäute. Selbst bei leichten Reizungen im Magen-Darm-Trakt kann Eibisch Abhilfe schaffen.
Als Tee kann Pferden aus je 30 Prozent Spitzwegerich und Thymian sowie 40 % Eibischwurzel zusammengestellt werden. Etwa 30 bis 50 g der getrockneten Kräutermischung werden mit einem Liter kochendem Wasser übergossen und abgedeckt anschließend 10–15 Minuten ziehen gelassen. Nach dem Abkühlen kann der Tee inklusive der Kräuter über das Futter gegeben.

Alternativ: Kaltauszug
Bei schleimstoffreichen Pflanzen wie Eibisch ist auch ein Kaltansatz sinnvoll, da die Schleimstoffe auf diese Weise besonders schonend gelöst werden. Hierbei werden getrocknete oder frische Kräuter ausschließlich mit kaltem Wasser übergossen werden. Dieses Verfahren schont hitzeempfindliche Wirkstoffe und verhindert, dass unerwünschte, bittere Gerbstoffe freigesetzt werden. Hierzu werden 1 bis 2 Teelöffel der zerkleinerten Kräuter mit ca. 250 ml kaltem Leitungswasser oder stillem Mineralwasser übergossen. Abgedeckt lässt man diese Mischung bei Zimmertemperatur 12 Stunden ziehen. Im Anschluss wird die Flüssigkeit durch ein feines Sieb oder einen Teefilter abgeseiht. Der fertige Auszug kann auf erwärmt werden, sollte jedoch nicht kochen.

Für alle Kräuter gilt:
Natürlich bedeutet nicht automatisch harmlos. Bei trächtigen Stuten, Fohlen, chronisch kranken Pferden oder bei gleichzeitiger Medikamentengabe sollte die Kräuterauswahl immer mit Tierarzt oder einer entsprechend qualifizierten Fachperson abgestimmt werden.
So kann Tee eine wohltuende Ergänzung sein – aber nicht zum Ersatz für eine fachgerechte Diagnostik und Behandlung werden.

Text: Friederike Fritz, Foto: Annabell Gsödl/stock.adobe.com