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Ein Leben für die Klassische Reitkunst

Es ist für mich das größte Glück und gleichzeitig mein Ziel, ein Pferd zum Strahlen zu bringen. Eine technisch perfekte Piaffe auf einem ausdrucklosen Pferd hat für mich keinen Wert. Perfektion liegt für mich vielmehr in der Optimierung von Haltung, Pflege, Fütterung und Ausbildung. Dabei gilt: Der Weg ist das Ziel.

Ich bin sehr froh, dass wir bei uns auf Gut Rosenhof ein Zuhause haben, dass viel Spielraum bietet, unsere Vorstellungen von Lebensqualität für Mensch und Tier zu realisieren. Obwohl wir immer etwa 45 Sportpferde, vor allem Hengste, betreuen, ausbilden und trainieren, versuchen wir, auf die individuellen Bedürfnisse der Pferde einzugehen. Dabei orientieren wir uns schlicht an den Grundbedürfnissen der Pferde: Wir bieten ihnen viel frische Luft, ausreichend Bewegung, Futter bester Qualität und Sozialkontakte. Nahrungsgrundlage und gleichzeitig Beschäftigung ist die Raufutterversorgung. Unsere Pferde bekommen sechsmal am Tag Heu, die letzte Portion um Mitternacht. Dabei achten wir auf optimale Qualität. Einen Teil des Heus können wir selbst produzieren, wir kaufen aber auch dazu. Bei neuen Anbietern schauen wir uns die Wiesen an und lassen Proben analysieren, bevor wir bestellen. So können wir unseren Pferden stets hervorragende Raufutterqualität sichern. Wir haben immer mal wieder Gastpferde, die unter Atemwegsallergien leiden. Für diese Pferde wird das Heu bedampft, sechsmal am Tag. Bewährt hat sich bei uns zudem die Fütterung vom Boden. Wir haben festgestellt, dass sich dies gerade bei kolikanfälligen Pferden sehr positiv auswirkt. Die Kraftfutterration halten wir eher gering. Auch Pferde, die viel arbeiten, bekommen fast nie mehr als drei Liter Hafer am Tag.

Außer den organisatorischen Haltungsfragen ist mir auch die Atmosphäre im Stall wichtig. Wenn man sich über seinen Nachbarn ärgert, fährt man gestresst zur Arbeit. Ähnlich geht es auch unseren Pferden. Wir achten deshalb darauf, dass sich Boxennachbarn gut verstehen und stellen entsprechende Weidegemeinschaften zusammen. Auch bei der Ausbildung und im Training gehen wir sehr akribisch vor. Verlangt werden nur Aufgaben, die ein Pferd von seiner körperlichen und psychischen Situation her auch verstehen und umsetzen kann. Kommen neue Ausbildungspferde, steht am Anfang eine gründliche Analyse. Danach wird der individuelle Trainingsplan entwickelt. Abwechslungsreiche Bewegungsangebote ergänzen die Trainingsarbeit: Spazierritte gehören ebenso dazu wie freie Bewegung auf der Koppel oder auch in der Führanlage. Die Pferde mögen auch diese Einheiten sehr gern, habe ich festgestellt.

Bei alten Hengsten, bei denen Weidegesellschaft nicht möglich ist, und bei Pferden mit Handicap achten wir besonders darauf, dass sie Ansprache haben. Wir müssen ihnen etwas die Artgenossen ersetzen und schenken ihnen besondere Aufmerksamkeit im Alltag. So sind es viele Kleinigkeiten, die sich wie ein Mosaik zusammensetzen müssen, damit alles stimmig ist und wir ein Pferd so präsentieren können, dass es zufrieden und selbstbewusst dem Willen des Reiters folgt – ganz im Sinne der Klassischen Reitkunst. Foto: Maresa Mader

 

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