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Gut informiert: Stammzelltherapie beim Pferd

9. April 2020
Mehr Beweglichkeit
16. April 2020

fit&vital mit…Dr. Ina Gösmeier, Veterinary Chinese Herbalist

Viel Fingerspitzengefühl

Dr. Ina Gösmeier führt seit 1990 eine Überweisungspraxis für traditionelle chinesische Veterinärmedizin und erwarb 2002 den Abschluss zum Tierkinesiologie Practitioner der Wings Tierkinesiologie. Von 2002 bis 2016 war sie im Auftrag des DOKR bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen für die Betreuung der deutschen Sportpferde durch Akupunktur, Physiotherapie und andere Naturheilverfahren verantwortlich.

Tiere, insbesondere Pferde, haben mich schon immer begeistert. Im Alter von vier Jahren stand für mich unwiderruflich fest: Ich werde Tierärztin! Dieses früh gesetzte Ziel führte mich Jahre später tatsächlich nach Gießen an die Justus-Liebig-Universität. Das Studium und die darauffolgende therapeutische Arbeit in der Pferde- und Kleintierpraxis erfüllten mich mit großer Freude. Ich war angekommen.

Die Lahmheit unseres Grand-Prix-Pferdes Lumpazi sollte dann eine fast schicksalshafte berufliche Wende bringen und mich in eine neue Richtung führen. Lumpi, wie wir ihn nannten, lahmte – immer wieder und für mich als Tierärztin nur schwer zu akzeptieren: Die Ursache konnte nicht gefunden werden. Aus
diesem Grund informierte ich mich über alternative Heilmethoden und reiste dafür sogar nach China.
Das chinesische Medizinverständnis und vor allem die Akupunktur haben mich total fasziniert und so erlernte ich in China die Grundlagen der Akupunktur. Nach meiner Rückkehr akupunktierte ich Lumpazi. Zu unserer Freude wurde Lumpazi lahmheitsfrei und war in den folgenden Jahren sportlich noch sehr erfolgreich. Für mich war es der Anfang meiner Akupunkturpraxis. Damals wurde diese Therapie noch skeptisch betrachtet und sogar in die Ecke der Scharlatanerie gestellt. Doch das konnte mich nicht abhalten, ich war so überzeugt, dass ich später die Zusatzbezeichnung Akupunktur erwarb und mein Wissen über chinesische Kräuter durch Weiterbildung an Universitäten in China und in der Schweiz vertiefte.
Seither hat mich die Begeisterung für die chinesische Medizin nicht mehr losgelassen – die vielfältigen Behandlungsmöglichkeiten und -erfolge bestärken mich immer wieder. Die traditionelle chinesische Medizin ist ein sehr komplexes System. Dazu zählen außer Akupunktur auch Kräuterkunde, Diätetik, Bewegungs- und Atemtherapie. Nur ein Drittel der Patienten wird ausschließlich mit Akupunktur behandelt, meist kombiniere ich die Behandlung mit chinesischen Kräutern. Die Vielfalt der Patienten mit ihren unterschiedlichen Problemen macht meine Arbeit unglaublich abwechslungsreich. Außer Sport- und Freizeitpferden gehören auch Zuchtstuten, Deckhengste und Fohlen zu meinen
Patienten. Und auch im Spitzensport wird die Akupunktur geschätzt. 14 Jahre war ich im Auftrag des DOKR bei Welt-
meisterschaften und Olympischen Spielen für die Betreuung der deutschen Sportpferde durch Akupunktur, Physiotherapie und andere Naturheilverfahren verantwortlich. Eine besondere und intensive Zeit mit vielen Highlights. Zum einen war es natürlich immer ein besonderes Erlebnis, den Spitzenpferden bei großen sportlichen Ereignissen so nah zu sein. Zum anderen war es eine schöne Fortsetzung meiner Arbeit, denn einige Pferde habe ich auch während des Trainings begleitet.

Die chinesische Medizin klingt zwar für unsere westlichen Ohren oft sehr fabulös, ist tatsächlich aber unglaublich logisch. Um das System der traditionellen chinesischen Medizin in seiner Ganzheit zu verstehen, habe ich vor einigen Jahren in meiner Freizeit begonnen, die chinesische Sprache zu lernen. Die Schriftzeichen sind gar nicht so schwierig zu lernen, aber die Aussprache! Wahrscheinlich gibt es keine andere Sprache, in der ein Wort je nach Betonung so viele verschiedene Bedeutungen und damit schnell einen ganz anderen Sinn haben kann. Durch die Variation der Betonungen entsteht übrigens auch dieser typische Singsang bzw. die Sprachmelodie der Asiaten.
Mein Beruf ist eine große Passion: Durch das ganzheitliche Medizinverständnis, bei dem immer sowohl die körperliche als auch die psychische Ebene betrachtet wird, kann ich Pferden und auch ihren Reitern helfen.
Das Erkennen und Einordnen verschiedener Pferdepersönlichkeiten macht es möglich, den individuellen Typen gerecht zu werden, sie optimal zu therapieren und für ihr körperliches wie seelisches Wohlbefinden zu sorgen. Das ist und bleibt unglaublich spannend und bereichernd. Selbst nach so vielen Jahren im Beruf sammle ich immer wieder neue Erfahrungen.
www.goesmeier.de

Zur Person
Dr. Ina Gösmeier studierte Tiermedizin in Gießen. Sie ist durch das Chi Institute (USA und Traditionelle Veterinär-medizinische Akademie in China) beurkundete „Veterinary Chinese Herbalist“, hat ein Zertifikat als „Wings Animal Kinesiology Practitioner“ und trägt die Zusatzbezeichnung „Tiermedizinische Akupunktur“ in Deutschland.
Sie betreibt seit 1990 eine Überweisungspraxis für Traditionell Chinesische Tiermedizin (TCM) und behandelt Pferde vom Shetty bis zum Superstar.
Ihr Wissen vermittelt sie in Fortbildungsveranstaltungen sowie als Autorin verschiedener Ratgeber und Fachbücher.
Seit 2008 lehrt Dr. Gösmeier an der Qi Academy chinesische Kräuteranwendung für Tierärzte mit dem Abschluss eines Certified
Veterinary Herbologist (CVH). Sie ist zudem in der universitären Akupunkturausbildung der Tierärzte tätig und reist regelmäßig als
Dozentin nach England, Irland und in die USA.

Foto: Sabine Heüveldop

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