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Was ist auf Pferdeweiden zu beachten?

Seit einem halben Jahr ist die viel diskutierte neue Dünge-Verordnung bundesweit in Kraft. Daher stellen sich Pferdehaltern in diesem Frühjahr viele Fragen: Was ändert sich durch die neue Verordnung? Wie muss ich den Düngebedarf vor der Düngungsmaßnahme ermitteln? Ist auf den Weiden die übliche Frühjahrsdüngung mit Kalkstickstoff noch möglich?

Stickstoff und Phosphor nur nach Bedarf düngen!
Ziel der Düngeverordnung ist eine nach Zeitpunkt und Menge bedarfsgerechte Düngung. Damit sollen negative Auswirkungen auf Grund- und Oberflächengewässer vermieden werden. Obwohl manche Bestimmungen der Verordnung erst ab einer Betriebsgröße von 15 Hektar greifen, sollte es im Interesse aller Pferdehalter liegen, sich um eine ordnungsgemäße Düngung zu bemühen. Denn diese schont nicht nur die Umwelt und den Geldbeutel, sondern wirkt sich auch positiv auf die Qualität des Weidefutters aus.

Die Düngeverordnung schreibt vor, dass vor einer Düngung mit Stickstoff oder Phosphor der Düngebedarf ermittelt werden muss. Die Bedarfsermittlung soll für Stickstoff an einem einfachen Beispiel veranschaulicht werden. Im Anhang der Düngeverordnung sind für die verschiedenen Grünlandnutzungen bestimmte Bedarfswerte vorgegeben. Für eine intensive Weide – darunter dürften die meisten Pferdeweiden fallen – weist die Tabelle einen Stickstoffbedarf von 130 Kilogramm aus. Davon müssen dann beispielsweise noch 10 Kilogramm für die natürliche Stickstoffnachlieferung des Bodens und 20 Kilogramm für die Stickstoffbindung durch Leguminosen wie den Weißklee abgezogen werden. Vom ursprünglichen Wert bleibt also somit noch ein Düngebedarf von 100 Kilogramm Stickstoff übrig. Eine Kalkstickstoff-Frühjahrsdüngung der Weiden im üblichen Rahmen von 60 bis 70 Kilogramm Stickstoff ist somit auch weiterhin möglich.

Auch für Phosphor schreibt die Düngeverordnung eine Bedarfsermittlung vor. Basis hierfür ist das Ergebnis einer Bodenuntersuchung, denn ohne Kenntnis der Versorgungslage des Bodens ist eine zielgerichtete Düngung überhaupt nicht möglich. Mit dem Ergebnis der Analyse erhält der Pferdehalter eine detaillierte Dünge-Empfehlung für Phosphor und Kali. Anders als der Stickstoff muss Phosphor nicht alljährlich, sondern kann – je nach Höhe des Bedarfes – auch für zwei oder drei Jahre im Voraus gedüngt werden. Die notwendige Anpassung an den tatsächlichen Düngebedarf lässt sich am besten mit Einzeldüngern oder individuell angefertigten Düngermischungen erreichen.

Sehr genau überlegen sollten sich Pferdehalter allerdings, ob sie auf ihrem Grünland betriebsfremde organische Dünger wie Gülle oder Gärreste ausbringen lassen. Denn in diesem Fall unterliegen selbst Kleinbetriebe unter 15 Hektar sofort sämtlichen Dokumentationspflichten der Düngeverordnung und müssen alljährlich einen betrieblichen Nährstoffvergleich erstellen. Ganz abgesehen vom bürokratischen Aufwand sollten hier auch die negativen Auswirkungen der organischen Düngung auf den Pflanzenbestand – Stichwort „Gülleflora“ – sowie auf die Schmackhaftigkeit des Futters und die Parasitenbelastung bedacht werden.

Kalkstickstoff-Düngung verbessert Weidehygiene
Auf Pferdeweiden ist die Frühjahrsdüngung mit Kalkstickstoff weit verbreitet. Zum einen wirkt dieser Dünger gleichmäßig und lange anhaltend und stoppt zugleich die Bodenversauerung. Beides wirkt sich positiv auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes aus, fördert eine dichte und strapazierfähige Grünlandnarbe und sorgt für eine gesunde Futtergrundlage. Zum anderen entwickelt Kalkstickstoff eine Nebenwirkung gegen die auf dem Boden lauernden Larven der Eingeweideparasiten. Es ist nachgewiesen, dass die Larven von Magen-Darm- und Lungenwürmern nach einer Kalkstickstoff-Düngung stark dezimiert sind. Damit kommt es zu Beginn der Weidesaison nicht gleich zu massiven Neuinfektionen und die im Stall entwurmten Pferde haben die Chance, unter dem verringerten Infektionsdruck eine gewisse Immunität aufzubauen.
Die optimale Kalkstickstoffgabe liegt bei 300 bis 350 Kilogramm je Hektar, das entspricht 60 bis 70 Kilogramm Reinstickstoff je Hektar. Die beste Nebenwirkung gegen die Parasitenlarven entfaltet der Dünger, wenn sich der Boden schon etwas angewärmt hat und die Wurmlarven ihre Winterruhe beendet haben. Dies ist abhängig von der Jahreswitterung und der Höhenlage der Weide. Erfahrungsgemäß ist der optimale Zeitpunkt für die Kalkstickstoff-Düngung dann gegeben, wenn in den Gärten die Forsythien blühen.

Fazit
Wer schon bisher seine Pferdeweiden mit Sinn und Verstand gedüngt hat, für den ändert sich durch die neue Verordnung relativ wenig. Die Düngeplanung und die tatsächlich ausgebrachten Düngermengen sollten allerdings jetzt sorgfältig dokumentiert werden. Ein hoher bürokratischer Aufwand entsteht, wenn Gülle oder Stallmist von anderen Betrieben auf die Weiden ausgebracht werden. Zudem wirkt sich diese Art der Düngung meist auch negativ auf die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes aus. Die auf vielen Betrieben übliche Kalkstickstoff-Düngung im Frühjahr zur Verbesserung der Weidehygiene ist hingegen auch weiterhin möglich, wenn zuvor der Stickstoffbedarf ermittelt und dokumentiert wird.

Text: Dr. Hans-Jürgen Klasse, AlzChem GmbH Trostberg

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