Hautwunde: Wann benötige ich einen Tierarzt?
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Was Pferd und Reiter freut, das mögen auch Insekten: Kaum wird es wieder wärmer, schwirren die Plagegeister aus. Ihre Nahrungssuche wird für unsere Pferde zur wahren Heimsuchung beim Weidegang, Geländeritt, Turnierstart: Ob sie nun zu Dutzenden um Augen und Nüstern krabbeln, schmerzhaft zustechen oder beißen, sie sind oft nicht nur lästig, sondern können zur Gefahr für Gesundheit und Wohlbefinden werden. Insekten stören beim Weidegang und nerven Weidepferde so sehr, dass sie weniger Futter aufnehmen. Fliegende Nervensägen versetzen durch schmerzende Bisse brave Geländepferde unvermittelt in Panik und können so zur Unfallursache werden. Manche Plagegeister übertragen mit dem Stich oder Biss Krankheitserreger, andere verursachen durch bestimmte Inhaltsstoffe ihres Speichels Allergien. Kurz: Auch wenn Pferdefans als Naturfreunde dem Insektenreich sicher nicht gänzlich die Daseinsberechtigung absprechen wollen, so sollen die fliegenden, schwirrenden, brummenden Tierchen doch bitteschön unsere Pferde verschonen. Dabei hilft eine „konzertierte Aktion“, helfen abgestimmte Gegenmaßnahmen.

Alle Jahre wieder…

Die Frage „Wie schütze ich mein Pferd effektiv vor Insekten?“ stellt sich dem Pferdefreund immer wieder neu und sie ist heute wesentlich präsenter als noch vor wenigen Jahren. Das hängt vor allem damit zusammen, dass inzwischen sehr viel mehr Pferde als früher in den Genuss einer pferdegerechten Haltung kommen. Während man in geschlossenen Boxenställen allenfalls mit Fliegen zu tun hat, trifft das artgerecht gehaltene Pferd im Offenstall und auf der Weide auf die ganze Bandbreite fliegender Plagegeister. Das hat auch dazu geführt, dass sich Reitsportausstatter und andere Zulieferer dieses Problems heute umfassend annehmen und dem Pferdefreund zahlreiche Mittel und Wege an die Hand geben, der Insektenwelt Einhalt zu gebieten. Grundlegend werden Maßnahmen getroffen, die bei der Pferdehaltung die Insektenbelastung beschränken. Diese Maßnahmen, die mit dem Bau von Stallungen und dem Management zu tun haben, stoßen natürlich da an ihre Grenzen, wo Pferde sich frei draußen bewegen, ob mit oder ohne Reiter. Zwar lässt sich die Belastung insgesamt etwa durch die Hauptflugzeiten der Insekten vermeidende Weidezeiten, die Trockenlegung versumpfter Flächen auf der Weide, wo dies ökologisch vertretbar ist, oder spezielle Schutzvorhänge an Stalleingängen verringern, doch werden meist zusätzliche Maßnahmen notwendig. Es bieten sich dafür drei Ansatzpunkte an: Fliegenmasken, Fliegendecken und Repellents. Einzeln oder in Kombination halten sie Insekten und damit auch deren potentielle Schadwirkung von unseren Pferden fern – und die Pferde damit fit und gesund!

 

So macht die Fliege die Biege…

Auf der Weide, aber auch beim Geländeritt tummeln sich im Pferdegesicht nicht selten dutzende von Fliegen, die dort nach Flüssigkeit suchen. Sie kribbeln und krabbeln rund um Augen und Nüstern und irritieren das Pferd ständig. An ihren Füßen sitzen oft Keime, die über den Kontakt vor allem in die Augen übertragen werden – eitrige Augeninfektionen sind eine mögliche Folge. Auch die rein mechanische Irritation kann Entzündungsreaktionen der Augen hervorrufen oder begünstigen. Pferde wehren diese Lästlinge gerne durch Kopfschütteln ab – das hilft immer nur für Bruchteile einer Sekunde. In Ruhephasen stehen Weidepferde in verkehrt-paralleler Stellung und wedeln sich gegenseitig die Krabbler aus dem Gesicht, aber kaum wendet man sich wieder dem leckeren Gras zu, fehlt der Fliegenwedler des Kollegen. Eine ebenso effektive wie einfache Lösung heißt: Bringen Sie Ihr Pferd unter die Haube!Fliegenmasken haben mit den schmucken Ohrenhauben aus dem Turniersport kaum etwas gemeinsam. Ohrenhauben (auch „Fliegenhauben“) schützen lediglich die Ohren vor dem Eindringen von Fluginsekten und können nur unter dem Zaumzeug oder dem Kopfgestell des Fahrpferdes eingesetzt werden. Fliegenmasken dagegen schirmen den Bereich rund um die Augen großflächig mit einem feinen, an Vorhänge oder Fliegengitter erinnernden Geflecht ab. Das Material ist so geschnitten und versteift, dass es die Augen und die dort sitzenden Tasthaare nicht irritiert. Beide Ohren sowie große Teile des Gesichts werden ebenfalls geschützt. Manche Modelle verfügen über einen zusätzlichen (oft abnehmbaren) Fransenvorhang, der Fliegen aus dem Nüsternbereich wedelt, oder sie schirmen die Pferdenase mit einem (ebenfalls bei manchem Modell abnehmbaren) Nasenschutz ab. Geschlossen werden Fliegenmasken mit einem Klettverschluss. Viele Modelle sind dort, wo sie am Pferdekopf anliegen, mit Fleece unterlegt, was die Haut vor Reizungen schützt und ein „Unterkrabbeln“ verhindert. Fliegenmasken müssen überall dicht anliegen und dürfen sich nicht abschütteln oder abstreifen lassen. Hochwertige Modelle können problemlos auch über lange Zeit am Pferdekopf verbleiben. Günstig vor allem für Ponys sind Modelle mit Schopfdurchlass.Wer einmal aus der Sicht des Pferdes, also von innen, durch die Maske blickt wird erstaunt feststellen, dass sie die Sicht kaum einschränkt. Oft kann sie deshalb sogar während des Ausritts oder des Trainings auf der Außenreitbahn getragen werden – nicht allerdings beim Springen, bei der Stangenarbeit, bei schlechten Lichtverhältnissen. Ein Tipp: Braucht Ihr Pferd dauerhaften Schutz, dann kaufen Sie zwei hochwertige Modelle mit etwas unterschiedlichen Auflageflächen am Pferd und wechseln Sie diese beiden Typen ab – so sitzt jede Fliegenmaske nur begrenzte Zeit an einer und derselben Stelle und die Haut darunter kann sich immer wieder erholen.

 

Landen verboten!

Nicht nur Fliegen, auch andere Insekten machen unseren Pferden das Leben schwer, und eben nicht nur am Kopf, sondern am ganzen Körper. Auch dort brauchen Pferde einen effektiven Schutz. Dies leisten spezielle Decken, die es in zahlreichen Variationen gibt. Die klassische Fliegendecke zum Überwerfen reicht aus, wenn das Pferd nur kurz geschützt und nicht völlig abgeschirmt werden muss. Ihr Schnitt und ihre Machart – sie lässt Bauch, Hals, Kopf und Beine frei und besteht aus grobem Netzmaterial – hält Fliegen und Steckmücken nur eingeschränkt fern und nötigt Bremsen nur ein müdes Lächeln ab. Ihre Aufgabe ist deshalb vor allem der Schutz nicht allergischer Pferde bei kurzen Pausen. Müssen Pferde aber konsequent und dauerhaft geschützt werden (an Sommerekzem oder anderen allergischen Reaktionen auf den Biss oder Stich von Insekten leidende Pferde), nimmt die Belastung durch Insekten überhand oder reagieren Pferde besonders empfindlich auf deren Gesumme und Gekrabbel, schlägt die Stunde der Fliegen-Ausreitdecken, der Ganzkörper-Fliegendecken und der Ekzemerdecken. Der Name ist Programm: Eine Fliegen-Ausreitdecke schützt das Pferd beim Geländeritt ebenso wie natürlich auf dem Außenreitplatz vor Fliegen, meist aber auch recht effektiv vor anderen Summern und Brummern. Sie wird nach dem Satteln übergelegt und hat am Rumpf eine Aussparung für den Sattel. Gute Fliegen-Ausreitdecken schirmen das Pferd möglichst großflächig ab, verfügen also auch über ein Halsteil, das sich am Zaumzeug befestigen lässt. Gehfalten vorne und ein zusätzlicher Gurt für den Schweif sorgen dafür, dass sie nicht verrutscht, nicht stört und auch in der Bewegung angenehm sitzt. Wünschenswert ist ein Bauchlatz, der auch die empfindliche Bauchregion abschirmt; alternativ kann eine Reihe Fransen innen an den Seitenteilen für zusätzlichen Schutz sorgen. Es gilt: Je mehr Körperfläche von der Decke geschützt wird, desto weniger müssen Sie zum Repellent greifen! Bei guter Verarbeitung ist überdies nicht zu erwarten, dass Pferde von der Decke irritiert werden, dass sie scheuert oder Ihr Pferd darunter vermehrt schwitzt. Ekzemerdecken und/oder Ganzkörper-Fliegendecken für Weide und Offenstall gibt es inzwischen in vielen Größen und Variationen. Wie ein Strumpf werden die elastischen klassischen Ekzemerdecken übergezogen und bedecken die Körperoberfläche des Pferdes fast vollständig – lediglich Beine und Kopf bleiben ausgespart. Zahlreiche Verschlüsse, dehnbare Einfassungen und viele Verstellmöglichkeiten sorgen für individuelle Anpassung und hohen Tragekomfort. Der Stoff ist gleichzeitig robust genug, um auch ausgedehntem Wälzen, ausgiebigen Spielen und anderen Strapazen standzuhalten, gleichzeitig aber so fein und luftig, dass er das Pferd nicht belastet und die Haut nicht irritiert. Moderne Decken sind häufig aus festerem Material ohne Stretchanteil gefertigt, sitzen aber ebenso bequem und punkten darüber hinaus mit pfiffigen Details wie Fullneck, Genickpasse, zusätzlichem Kopfteil oder Zebrastreifung, was ein deutliches Plus an Schutz bietet.
Für Fliegenmasken und Fliegendecken gilt: Diese mechanischen Abwehrmaßnahmen schützen Ihr Pferd gleichzeitig auch vor intensiver Sonneneinstrahlung – wichtig etwa für Pferde mit chronischen Augenerkrankungen (Periodische Augenentzündung) oder ausgedehnten Abzeichen (etwa auf der Nase). Abgemildert wird auch die kurzwellige UV-Strahlung, die vor allem bei langfristiger Exposition schädlich auf Haut und Augen wirken kann.

 

Abwehr-Kräfte

Ersetzt, ergänzt oder unterstützt wird die mechanische Fernhaltung von Insekten durch chemische Wirkstoffe, Repellents genannt (abgeleitet von repellere = vertreiben). Repellents kommen dann zum Einsatz, wenn mechanische Barrieren nicht eingesetzt werden können (etwa bei der Springprüfung) oder dort, wo sie an ihre Grenzen stoßen (beispielsweise an den Beinen). Diese Stoffe vertreiben Insekten, töten sie aber nicht. Anders als beim Einsatz von Insektiziden wird also weder anderen Tieren die Nahrungsgrundlage entzogen noch werden über die Vergiftung zahlloser Insekten Toxine in den Nahrungskreislauf eingebracht – damit können auch Naturfreunde gut leben. Zudem sind auch zahlreiche Produkte auf dem Markt, die auf natürliche Wirkstoffe setzen. Ob natürliche oder künstliche Repellentien, die Wirkzeiten sind beim Pferd individuell recht unterschiedlich und vermutlich auch davon abhängig, ob und wie stark es schwitzt. Pferdehalter machen oft die Beobachtung, dass vor allem bei intensivem Training die Wirkung rasch zu verfliegen scheint. Da viele Produkte auf ätherische Öle setzen, ist diese recht kurze Wirkdauer unvermeidlich, da diese Stoffe von Natur aus leichtflüchtig sind.Grundsätzlich sind alle angebotenen Produkte medizinisch unbedenklich, das schließt aber eine individuelle Überreaktion des Pferdes auf bestimmte Inhaltstoffe nicht aus – Pferde sind allgemein recht allergiebereit. Testen Sie deshalb jedes Produkt an einer sehr begrenzten Stelle, bevor sie es großflächig anwenden.Repellents für Pferde sind vor allem als Sprays erhältlich, auch Lösungen oder Roller/Stifte sind auf dem Markt. Nicht jedes Pferd kann sich mit dem unheimlichen Zischen des Sprays und der hauchzarten Berührung durch den Sprühnebel anfreunden, ihnen hilft dann der Einsatz einer Lösung, die auf Schwämme oder Tücher aufgetragen und auf dem Körper verteilt wird. Im Gesicht kommen Roller oder Stifte zum Einsatz. Bei längeren Ritten oder auf dem Turnierplatz sollte eine kleine Sprühflasche mitgeführt werden, damit der Schutz rechtzeitig aufgefrischt werden kann. Der umfassende Schutz Ihres Pferdes vor Insekten ist Tierschutz, denn Pferde können unter der dauernden Irritation erheblich leiden und sogar gesundheitliche Schäden davontragen. Der Schutz nützt auch dem Reiter, denn mit einem irritiert mit dem Kopf schlagenden, ständig mit dem Schweif wedelnden und beim Anflug einer Bremse entsetzt das Weite suchenden Pferd ist entspanntes, konzentriertes Training unmöglich. Abgestimmte Gegenmaßnahmen sorgen deshalb dafür, dass Pferd und Reiter die Sommerzeit entspannt genießen können.

 

Welchen Schutz braucht mein Pferd wann?

Pferde, die an Sommerekzem leiden oder Pferde, die mit anderen Allergiesymptomen (z.B. Nesselausschlag, Atemnot, …) auf Insektenstiche reagieren, brauchen JEDERZEIT maximalen Schutz:

  • Ekzemdecke mit passender Kopfhaube oder Fliegenmaske beim Weidegang oder im Offenstall
  • Fliegen-Ausreitdecke, Fliegenmaske und Repellents an ungeschützten Bereichen bei jeder Nutzung
  • Großflächige Anwendung von Repellents, wenn Maske und Decke nicht getragen werden können (Turnierstart, Springtraining, …)

Wer gesundheitlich nicht bedroht ist (bei Allergikern reicht EIN Stich aus…) benötigt oft nur an besonders warmen, schwülen, windstillen Tagen Schutz.

Weidepferde, Offenstallpferde:

  • Fliegendecke und Fliegenmaske

Training im Gelände in belasteten Gebieten (z.B. Waldrand, …)

  • Fliegenmaske und Fliegen-Ausreitdecke, evtl. Repellent an Bauch und Beinen

Training über Hindernisse, schwieriges Geläuf oder bei problematischen Lichtverhältnissen:

  • Fliegen-Ausreitdecke und Repellent, im Gesicht als Roller

Turnier:

  • Großflächig Repellent anwenden, klassische Fliegendecke für kurze Pausen, dabei Repellent auffrischen

 

Repellents – so wird Ihr Pferd zum „Stinktier“

Repellents arbeiten nach einem einfachen Prinzip: Sie vergrämen (vertreiben) unerwünschte Organismen von Orten oder Lebewesen, ohne sie dabei zu töten. Meist geschieht dies über den Geruchssinn. Das Prinzip wird auch von vielen Tieren erfolgreich genutzt – bekannte Beispiele sind etwa das Stinktier oder die Stinkwanze. Sie schützen sich durch übelriechende Sekrete bei Angriffen vor Freßfeinden. Menschen haben schon früh damit begonnen, dieses Prinzip zu imitieren, etwa durch Auftragen von Pechöl. Heute sind zahlreiche Produkte vor allem zur Abwehr von Stechmücken, aber auch von anderen Gliederfüßern für Mensch und Tier auf dem Markt.Natürliche Repellentien setzen vor allem auf die abschreckende Wirkung von ätherischen Ölen, die allerdings rasch verfliegt. Länger – oft mehrere Stunden – wirksam sind viele synthetische Wirkstoffe wie etwa das Icaridin. Heute setzt man zunehmend auch auf die dauerhafte Kombination von mechanischer und chemischer Insektenabwehr, indem beispielsweise Kleidungsstücke, Fliegennetze oder andere Barrieren mit einem Wirkstoff (z.B. Pyrethrum) versetzt werden.

 

 

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