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Futterrationen: Energie reich gestalten

Gerade für alte Pferde kann der Winter zum Problem werden. Häufig ist zu beobachten, dass Senioren in der kalten Jahreszeit deutlich abbauen und an Gewicht verlieren. Doch auch für Rekonvaleszenten oder stark beanspruchte Reit- und Zuchtpferde kann es nötig werden, besonders energiereiche Rationen anzubieten.

Pferde fit & vital hat mit zwei Experten darüber gesprochen, wie die optimale Fütterung für magere Pferde gestaltet werden kann.

Zunächst ist es wichtig, den Futterzustand des Pferdes passend einzuschätzen. „Das Auge des Besitzers macht das Pferd rund“, so hieß es früher. Grundsätzlich gilt das immer noch: Wer sein Pferd aufmerksam beobachtet, wird schnell bemerken, wenn es abbaut, und kann entsprechend reagieren.

Heute gibt es jedoch über den eigenen kritischen Blick hinaus weitere Möglichkeiten, den Futterzustand des Pferdes zu überprüfen, so Dr. Karp: „Es ist sinnvoll, die Körperkondition nach objektiven Kriterien einzustufen, z. B. nach dem Body Condition Score. Sinnvoll kann es auch sein, Pferde zu wiegen oder das Gewicht nach der Schätzformel (Brustumfang² x Körperlänge in cm / 11900) zu ermitteln.“

Prof. Zeyner empfiehlt in diesem Zusammenhang die Broschüre „Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden“ von 2014 (DLG Verlag, ISBN 978-3-7690-0805-0). Diese enthält auch Empfehlungen und Angaben über den Erhaltungs-Energiebedarf des Pferdes. „Der energetische Erhaltungsbedarf beträgt auch bei mittlerer bis hoher sportlicher Beanspruchung des Pferdes immerhin noch mindestens 50 % des Gesamtbedarfs“, so Prof. Zeyner.

Grundsätzlich ist der Erhaltungsbedarf bei Pferden sehr variabel: Er variiert in Abhängigkeit vom Alter, von eventuellen Krankheiten oder auch vom Muskel-Fett-Verhältnis.

Darüber hinaus gibt es generell große Unterschiede zwischen verschiedenen Pferdetypen: So haben Warmblüter einen niedrigeren Bedarf als Vollblüter, aber einen höheren Bedarf als Kaltblüter oder ursprüngliche Ponyrassen.

Blutgeprägte Reitponys hingegen haben einen so hohen Erhaltungsbedarf wie Warmblutpferde unter vergleichbaren Bedingungen hinsichtlich Trainingszustand, Körperkondition und Haltung.

Prof. Zeyner rät allerdings davon ab, im Hinblick auf die Zusammenstellung der Futterration eine Blutuntersuchung einzubeziehen: „Blutuntersuchungen können allenfalls eine Ergänzung zur Rationsberechnung und -beurteilung darstellen. Nur wenige Blutparameter stehen im direkten Zusammenhang zur Versorgungslage und auch diese bedürfen einer sehr vorsichtigen Interpretation, die die wichtigsten modifizierenden Begleitumstände berücksichtigt. Leicht können Blutparameter in Bezug auf die Fütterung in die Irre führen.“

Ursachenforschung

Um die Fütterung individuell passend zu gestalten, sollte auch die Ursache für den ungünstigen Futterzustand des Pferdes berücksichtigt werden. Die häufigsten Ursachen für einen schlechten Allgemeinzustand sind laut Dr. Karp eine nicht angepasste Nährstoffversorgung, zu geringe Mengen an Raufutter, eine Fehleinschätzung der Inhalte des Futters bzw. eine Fehleinschätzung der Weidequalität.

Wenn das Problem nicht in einem zu geringen Energiegehalt der Ration liegt, empfiehlt Prof. Zeyner, eine genauere Diagnostik durchzuführen: „Die Ursachen müssen erforscht werden, um entsprechend agieren zu können. Bestimmte Krankheiten erfordern einen gewissen Verzicht, z. B. Cushing.

Gerade Pferde, die von Cushing betroffen sind, werden vom Besitzer oft so knapp gehalten, dass sie hungern. Hier muss die Fütterung explizit im Hinblick auf die Erkrankung gestaltet werden.“

Auch starker Wurmbefall kann dazu führen, dass ein Pferd an Gewicht verliert. Doch nicht nur körperliche Ur-sachen kommen in Frage: So kann starker Stress beispielsweise das Pferd ebenfalls beeinträchtigen. Futter alleine wird es nicht immer richten – die Ursachen müssen nach Möglichkeit erkannt und beseitigt werden.

Grobfutter

Grundsätzlich gilt: Grobfutter (früher Raufutter) ist die Basis der Ration. Dieser Grundsatz gewinnt beim mageren Pferd häufig noch an Bedeutung, wie Dr. Karp darlegt: „Gerade dann ist die Grobfutterversorgung ganz entscheidend. Zu hohe Kraftfuttergaben sind in Verbindung mit zu geringen Raufuttermengen geradezu kontraproduktiv.“ Unabdingbar ist allerdings eine gute Qualität des Grobfutters.

Bei alten Pferden sind aufgrund der Zahnsituation häufig eingeweichte Gras- oder Heucobs das Mittel der Wahl. „Bei jüngeren Pferden ist in der Regel Heu und/oder Silage ausreichend“, so Dr. Karp. „Die beste Grobfutterversorgung erfolgt im Sommer natürlich über frisches Weidegras. Bei älteren Pferden kann darüber hinaus Silage sehr hilfreich sein.“ Auch Prof. Zeyner empfiehlt gutes Heu, dessen Qualität durch eine Analyse untersucht werden kann. „Darüber hinaus können geringe Mengen Luzerne oder Kleegras die Grobfutterration aufwerten.“ Luzerne sollte allerdings nicht gehäckselt verfüttert werden.

„Dickmacher“ auf dem Prüfstand

Klassische Dickmacher sind einerseits Rübenschnitzel, andererseits auch Mais. Mais gibt es traditionell als Maissilage, aber auch als Maiscobs zum Einweichen. Kritiklos sollten diese Futtermittel jedoch nicht verfüttert werden. Prof. Zeyner gibt zu bedenken: „Maissilage ist zu sauer für die Zähne. Rübenschnitzel haben einen sehr hohen Wassergehalt, daher müssten große Mengen verfüttert werden. Aufgrund des niedrigen Proteingehalts sind sie zum Auffüttern eher ungeeignet. Sie enthalten kaum Aminosäuren und unterstützen daher den Muskelaufbau nicht.“

Diese Futtermittel sollten daher stets im Gesamtzusammenhang betrachtet und verwendet werden. „In einer gut ausbalancierten Gesamtration können gut eingeweichte Trockenschnitzel und Maissilage bester Qualität als zusätzliche Energieträger eingebaut werden“, so Dr. Karp. Grundsätzlich ist Pflanzenöl als „Dickmacher“ zu empfehlen – allerdings in Maßen: Ein ungefährer Richtwert sind ca. 80 ml/Mahlzeit, insgesamt nicht mehr als ca. 200 ml/Tag. Verwendet werden sollten kaltgepresste Pflanzenöle mit einem hohen Gehalt an Omega 3-Fettsäuren wie beispielsweise Leinöl.

Kraftfutter

Wenn das Pferd abmagert, greifen Pferdebesitzer gerne zum Kraftfutter. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass dieses stets an zweiter Stelle kommt und erst nach der Überprüfung der Grobfutterration zur Diskussion steht. Bei der Wahl des Kraftfutters muss erneut die Ursache für den schlechten Futterzustand des Pferdes berücksichtigt werden. „Beruht die mangelnde Körperkondition auf Energiemangel, reicht ein energiereiches Futter aus“, so Dr. Karp. „Auch die Zugabe von Pflanzenöl kann sinnvoll sein. Beruht die mangelnde Körperkondition jedoch auf Eiweißmangel bzw. auf einem zu geringen Gehalt an essenziellen Aminosäuren, können sehr gut Futter-mittel für Zuchtpferde eingesetzt werden.“

„Auch Sojaextraktionsschrot ist in der richtigen Menge positiv. Gezielt können essenzielle Aminosäuren (gemeint sind hier Threonin, Lysin und evtl. Methionin) zugesetzt werden“, erklärt Prof. Zeyner weiter und Dr. Karp ergänzt: „Eiweißreiche Komponenten wie Luzerne, Bierhefe oder Soja unterstützen grundsätzlich den Muskelaufbau.“

Prof. Zeyner empfiehlt darüber hinaus, grundsätzlich auf einen hohen Gehalt an dünndarmverdaulichen Rohproteinen, Aminosäuren und Fetten zu achten. Da die Dünndarmverdaulichkeit von Rohproteinen leider nicht auf dem Beipackzettel deklariert wird, sollte das Futter zur Untersuchung eingeschickt werden, um dies sicherzustellen. Ansprechpartner ist hier die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) der jeweiligen Region. In der LUFA kann das Futter komplett analysiert werden, sodass der Pferdebesitzer Gewissheit über die Zusammensetzung und Verträglichkeit erlangt.

Alte Pferde im Winter

Gerade alte Pferde benötigen im Winter oft zusätzliche Energie. Nicht immer lässt sich das über die Futterration auffangen. Doch es ist neben der Energiezufuhr durch das Futter auch möglich, dem alten Pferd dabei zu helfen, Energie zu sparen: Eine warme Winterdecke sorgt dafür, dass das Pferd nicht auskühlt und verhindert, dass sämtliche zugeführte Energie sozusagen „verheizt“ wird. Selbst Pferde, die ihr Leben lang robust gehalten wurden und noch niemals eine Decke benötigt haben, sind im Alter häufig dankbar für diese Unterstützung.

Text und Fotos: Britta Schön

Der gesamte Artikel steht in der PFERDE fit & vital 2-2018

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