Decken für den Sommer: Geschützt & gekühlt
27. April 2017
Interview über Zeckenschutz für Pferde
30. April 2017
Vor der Versammlung steht zwingend die Losgelassenheit. Nur das losgelassene Pferd hat den Rücken schwingend aufgewölbt und somit beweglich und geöffnet für das nun geforderte vermehrte Untertreten und Senken der Hinterhand.

Kennzeichen der Losgelassenheit sind unter anderem ein getragener und locker pendelnder Schweif, ein tätiges Maul, gelegentliches Schnauben, ein schwingender Rücken und ein entspanntes Ohrenspiel des Pferdes. Ideal überprüfen lässt sich die Losgelassenheit durch das „Zügel aus der Hand kauen lassen“.
Hierbei öffnet der Reiter die Zügelfaust etwas und lässt die Zügel hindurchgleiten, während sich das Pferd dementsprechend an das Gebiss heran dehnt. Dabei kommt das Maul des Pferdes etwa auf Buggelenkshöhe, der Hals dehnt sich ab dem Widerrist vorwärts-abwärts, die Nasenlinie bleibt leicht vor der Senkrechten, während die leichte, aber konstante Anlehnung erhalten bleibt.

Losgelassenheit wird unter anderem erreicht und gefördert durch das Reiten von großen Wendungen (Zirkel), Handwechseln, Tempowechseln und Übergängen zwischen den Gangarten. Ein taktmäßiges und fleißiges, aber nicht hektisches Vorwärts ist Basis der lösenden Arbeit. Viele (aber nicht alle) Pferde lösen sich besonders gut im Galopp.

Erst, wenn die Losgelassenheit erreicht ist, kann vermehrt mit versammelnder Arbeit begonnen werden.
Entscheidend für jedes (versammelnde) Reiten ist die Maxime „von hinten nach vorn“. Das Pferd wird von hinten vermehrt an das Gebiss herangetrieben, stößt sich an diesem ab und gewinnt dabei an Aufrichtung, während die Hinterhand gleichzeitig vermehrt unter den Schwerpunkt tritt. Alle Hilfengebung durch den Reiter beginnt mit den treibenden Hilfen.

Eine wichtige Erwähnung verdient die eigene Körperspannung des Reiters: Nicht nur das Pferd, auch der Reiter braucht sozusagen einen positiven Spannungsbogen zwischen den treibenden Gewichts- und Schenkelhilfen einerseits und den Zügelhilfen andererseits. Dadurch können die sichtbaren, gröberen Hilfen immer mehr reduziert werden, bis der Reiter scheinbar unmerklich einwirkt – eben durch jene Körperspannung, deren kleinste Veränderung vom Pferd bemerkt und bei einem harmonischen Miteinander auch richtig interpretiert werden kann.

Als konkretes Beispiel für die Hilfengebung kann hier die Ganze Parade dienen. Gerade diese Lektion betrifft unzweifelhaft jeden Reiter auf jedem Pferd.
Bei einer Ganzen Parade wird das Pferd zum Halten durchpariert, egal, aus welcher Gangart heraus. Im Alltag wird das Pferd am häufigsten aus dem Schritt angehalten.
Wichtig ist die Vorbereitung: Der Reiter sollte sein Pferd nicht mit den Hilfen zum Anhalten überfallen. Bereits einige Schritte vorher wird das Pferd daher vermehrt aufgenommen, mit halben Paraden aufmerksam gemacht und dadurch vorbereitet.

Das häufigste Missverständnis bei dieser Lektion besteht darin, dass der Reiter nun die Zügel annimmt, um das Pferd anzuhalten. Aber: Bloßes Ziehen am Zügel wird das Pferd keinesfalls zu einem korrekten Stand bringen. Annehmende und zwingend folgende nachgebende Zügelhilfen können im Zusammenspiel mit den treibenden Hilfen als Halbe Paraden häufig sehr sinnvoll eingesetzt werden – bei einer Ganzen Parade jedoch haben wir es mit einer durchhaltenden Zügelhilfe zu tun.

Der Reiter lässt also seine Hand lediglich ruhig stehen, während er das Pferd von hinten an das Gebiss herantreibt. Die treibenden Hilfen schieben das Pferd von hinten heran, vorne gibt die Hand jedoch nicht nach – so kommt das Pferd zum Stehen, und das mit untergesetzter Hinterhand, ausbalanciert und idealerweise geschlossen auf allen vier Beinen stehend.

Sobald das Pferd steht, gibt die Hand des Reiters nach und wird leicht, ohne dabei jedoch die Anlehnung aufzugeben. Auch der Druck der treibenden Schenkel- und Gewichtshilfen lässt nach, die Körperspannung des Reiters bleibt jedoch erhalten – andernfalls ist damit zu rechnen, dass das Pferd eben nicht ruhig stehenbleibt, sondern wieder antritt oder herumzappelt.

Zu lange sollte dieser ruhige Stand jedoch am Anfang nicht verlangt werden. Gerade für junge Pferde ist es oft schwierig, längere Zeit ruhig stehenzubleiben: Dies muss nach und nach geübt und gefördert werden.
Wird die Ganze Parade auf diese Weise korrekt ausgeführt, wird eine übermäßige Belastung der Vorhand ebenso vermieden wie ein weggedrückter, fester und verspannter Pferderücken. Zugleich wird gewährleistet, dass das Pferd zuverlässig am Punkt anhält. Der Reiter kann also auch im Straßenverkehr etwa bei Bedarf punktgenau zum Stehen kommen.

Comments are closed.