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-Kuschlig warm im Winter-

 

Kurze Tage und sinkende Temperaturen stellen den Reiter jedes Jahr vor Herausforderungen. Wer funktionell und praktisch gekleidet ist, kann auch die dunkle Jahreszeit in vollen Zügen genießen.

Ein Klassiker ist der „Zwiebellook“, auf den sich im Grunde in jeder reiterlichen Lebenslage zurückgreifen lässt. Funktionstextilien aus Polyester, Nylon, Polyacryl oder Polyurethan, teilweise kombiniert mit Naturfasern wie Merinowolle, machen es darüber hinaus leichter, zwischen Halle, schneebedeckter Landschaft oder matschgeprägtem Schmuddelwetter zu wechseln. Außerdem spielt das Thema Sicherheit eine bedeutende Rolle – gerade in der dunklen Jahreszeit.

Sicherheit im Dunkeln
Pferd und Reiter müssen sich auch in der Dämmerung sicher draußen bewegen können. Gerade bei Nebel oder Regen ist die Sicht für Autofahrer teilweise so schlecht, dass sie einen Reiter ohne entsprechende Kleidung leicht übersehen. Auch die Straßenverkehrsordnung hat sich dieses Themas angenommen. „Reiter/Innen müssen während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst einfordern (z.B. Nebel, Schnee, Regen) ausreichend beleuchtet sein (§ 17 StVO)“, lautet der entsprechende Absatz, der weiterhin besagt, dass beim Führen eines Großtieres „eine nicht blendende Leuchte mit weißem Licht, die auf der linken Seite nach vorn und hinten gut sichtbar ist, mitzuführen ist. Zusätzliche Leuchtgamaschen am Pferd und reflektierende Kleidung beim Reiter sind sehr zu empfehlen, ebenso die Stiefelleuchte (links).“
Für den Reiter ist eine reflektierende Sicherheitsweste in Neonfarben ein sicherheitsrelevanter Farbtupfer. Die Westen gibt es in jedem Reitsport-Handel sowie in den meisten Outdoor-Läden für wenige Euro. Wer bereits zum Radfahren eine Sicherheitsweste besitzt, kann diese selbstverständlich auch zu Pferd tragen.
Ergänzend gibt es Leuchtstreifen und Leuchtüberzüge für den Reithelm, die Reitstiefel und -hose. Eine Stiefellampe sorgt ebenfalls für Sichtbarkeit. Sinnvoll für alle, die bei Dunkelheit noch einen Ausritt planen, kann eine Stirnlampe sein. Diese leuchtet vor allem im Gelände den Weg aus. Eine derartige Lampe lässt sich bequem am Helm befestigen und sitzt dort auch im Galopp sicher. Mittlerweile werden zudem Blinklichter für den Helm angeboten, die andere Verkehrsteilnehmer vor dem Reiter warnen.

Bei jedem Wetter geschützt
Wer bei Regen draußen reitet, der kommt um geeignete Kleidung nicht herum. Sehr gute Funktionstextilien sind Gore-Tex, Sympatex, Texapore etc., die in etwa ähnliche Eigenschaften besitzen, jedoch von unterschiedlichen Herstellern angeboten werden. Sie werden allesamt aus Kunstfasern hergestellt. Umstritten ist teilweise die Abbaubarkeit der verwendeten Materialien.
Gore-Tex wird aus Teflon gefertigt und bietet eine wasserabweisende Oberfläche. Die winzig kleinen Poren sind zwar um ein Vielfaches kleiner als ein Wassertropfen, doch größer als ein Wasserdampfmolekül. Dies sorgt dafür, dass die Feuchtigkeit nach außen abgegeben werden kann, jedoch eine Barriere gegen Wasser von außen vorliegt.
Sympatex wird auf Polyesterbasis hergestellt. Im Grunde handelt es sich bei dem Material um eine Folie, die makroskopisch geschlossen ist und keine Poren enthält. Dennoch kann Wasserdampf hindurchtreten, da funktionelle Gruppen im Kunststoff einen Wasserdampfaustausch ermöglichen. So kann Feuchtigkeit ebenso effektiv wie bei Gore-Tex nach außen transportiert werden und die Membran ist von außen dennoch absolut wasserdicht.
Das ebenfalls synthetisch hergestellte Texapore wird als Beschichtung auf das Produkt aufgetragen. Nachdem die Schicht erhärtet wurde, werden mikroskopisch kleine Teile wieder herausgelöst, was bedingt, dass Flüssigkeit von innen nach außen gelangen und somit Schweiß abtransportiert werden kann, das Gegenteil aber nicht der Fall ist.
Wer eine Jacke zum Reiten sucht, kann entweder auf eine gängige Outdoor-Jacke zurückgreifen oder sich eine spezielle
Outdoor-Reitjacke aussuchen. Letztere haben den Vorteil, dass sie sich beispielsweise als längere Reitmäntel mit Druckknöpfen auf den Seiten öffnen lassen und so einen optimalen Sitz ermöglichen.
Neben den klassischen Reitmänteln gibt es inzwischen auch Reit-Overalls, die zwar nicht so schön den Sattel bedecken wie manche ausgestellte Mäntel, aber dafür weniger auftragen und zudem bequem, warm und praktisch daherkommen. Ursprünglich stammen die Overalls aus der Islandpferdereiterei. Auf der nord-europäischen Insel wurden derartige Overalls zunächst von Fischern genutzt und später von Reitern übernommen. Sie sind ebenfalls aus den bekannten Funktionstextilien gefertigt und können in einem Stück übergezogen werden. Gerade bei Ausritten durch den Schnee sind sie eine wärmende und sinnvolle Ergänzung der Reitbekleidung.
Wer sich eine gängige Outdoor-Jacke kauft, sollte darauf achten, dass die Ärmel nicht zu lang oder zu weit sind und dadurch beim Reiten behindern. Außerdem sollte die Jacke weder weit auftragen noch flattern, da dies die Beweglichkeit einschränkt und das Pferd erschrecken kann. Gut geeignet sind Outdoor-Jacken mit herausnehmbarer Fleecefüllung, die gleichermaßen in der herbstlichen Übergangszeit wie auch im kalten Winter genutzt werden können. Die innere Fleecejacke lässt sich meist auch separat tragen.
Ein wichtiger Bezugspunkt beim Jackenkauf ist die sogenannte Wassersäule. 4.000 mm gelten als die „magische Grenze“, ab welcher man davon ausgehen kann, dass die Jacke bei normalen Regenmengen wasserdicht ist. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Nähte mit einem Band wasserdicht versiegelt sind und der Reißverschluss eine Abdeckung hat.
Über der Reithose kann man bei Bedarf eine Regenhose tragen. Diese sollte dicht am Körper liegen und leicht an- und ausziehbar sowie auf kleinstem Raum, etwa in der Satteltasche, verstaubar sein. Viele Wanderreiter schätzen einen breitkrempigen Hut, um den Regen vom Gesicht fern zu halten. Allerdings darf dieser natürlich nur über dem Reithelm getragen und muss mit einem Verschluss (Ziehband) fixiert werden, sodass er nicht rutscht.

Wärme beim Ausritt
Bei Kälte ist es für den Reiter ratsam, die Bekleidung nach dem „Zwiebelprinzip“ zu wählen. Anna-Christina Abbelen, dreifache Goldmedaillen-Gewinnerin der Junioren in der Dressur, erklärt: „Am liebsten trage ich ein Langarmshirt mit einer Daunenweste darüber, eine etwas dickere Softshell-Reithose gegen kalten Wind und dicke Socken! Wenn ich mich dann warm geritten habe, kann ich die Daunenweste ausziehen.“
Das Zwiebelprinzip, auch als Zwiebelschalenprinzip bekannt, bezeichnet eine Zusammenstellung von Kleidung, bei der mehrere Schichten unterschiedlicher Dicke und aus verschiedenen Materialien miteinander kombiniert werden. Zwischen den vielen Kleidungsschichten wird insgesamt mehr Luft als Wärmeisolator gespeichert als bei wenigen Schichten dickerer Bekleidung.
Die innerste Schicht wird als Basisschicht, Schweißtransportschicht oder Next-to-Skin bezeichnet. Es handelt sich um eine dünne Schicht Unterwäsche mit der Hauptaufgabe, Schweiß vom Körper weg zu transportieren. Diese Schicht sollte eng am Körper anliegen. Sie kann bei moderaten Temperaturen aus Kunstfasern, bei kalten Temperaturen aus Thermomaterialien hergestellt sein. Merinounterwäsche eignet sich bestens für Reiter, die sich im Sattel ja manchmal rund ums Gesäß etwas eingefroren fühlen. Ein Funktionsshirt mit Bodymapping-System sorgt für eine angenehme Wohlfühltemperatur am ganzen Körper. Kältere Regionen werden gewärmt und wo häufig geschwitzt wird, hält das Shirt trocken. Derartige Funktionsshirts sind vor allem für Radfahrer auf dem Markt, jedoch auch für Reiter geeignet.
Die nächste Schicht ist die Isolationsschicht oder Wärmeschicht, sie kann je nach Temperatur aus einer oder mehreren Lagen bestehen. Über dem Shirt ist ein Fleecepullover oder eine Fleecejacke das beste Kleidungsstück. Beim Kauf fallen einem Zahlen wie 100, 200 und 300 ins Auge: Diese geben das Gewicht in Gramm pro Quadratmeter an, ein 100er-Fleece wiegt also 100g/m². Je höher das Gewicht, desto dicker das Fleece. Für Reiter, die viel draußen unterwegs sind, eignen sich 300er-Jacken, wer vor allem in der Halle trainiert, sollte lieber auf die „Leichtgewichte“ setzen.
Bei der äußersten Schicht handelt es sich um den sogenannten Witterungsschutz oder auch die Ober- bzw. Außenschicht. Für den Ausritt eignen sich beispielsweise Softshell-Jacken. Sie bestehen aus zwei bis drei laminierten Schichten. Außen wird zunächst meist eine wasserabweisende Schicht eingebaut. Innen sind die Jacken meist mit Fleece oder ähnlichen Materialien gefüttert, welche für Wärme sorgen. Softshell passt sich dem Körper gut an, sorgt durch seine Atmungsaktivität für eine gute Luftzirkulation und somit weniger Schwitzen und trägt vor allem deutlich weniger auf als so manche Winterjacke. Dünnere Fleecejacken lassen sich prima mit Daunenwesten kombinieren, die in keinem Kleiderschrank eines Reiters fehlen dürfen. Sie haben den Vorteil, dass sie den Körper warmhalten, dabei aber nicht in der Bewegung der Arme einschränken.
Bei Regen und Schnee kommen als Außenschicht entsprechende Regen- oder Outdoorjacken zum Einsatz. Softshell findet auch bei Reithosen Verwendung, die damit deutlich weniger auftragen als gefütterte Thermoreithosen, die mancher Reiter gerade im Training als ungeeignet empfindet – dies ist sicherlich davon abhängig, ob man zu Pferd eher in der Halle oder im verschneiten Gelände unterwegs ist. Beim Reiten von Lektionen kann eine solche Thermohose tatsächlich einschränkend wirken, der Reiter sollte aber auch im Gelände testen, ob er mit einer solchen Hose noch genügend Einwirkung aufs Pferd hat und sich sicher darin fühlt.
Dauerproblem kalte Füße Vor allem bei den Damen sind kalte Füße beim Reiten ein Dauerproblem. Doch was hilft dagegen wirklich? Die richtigen Socken sind ein erster Schritt, sie müssen Schweiß problemlos aufnehmen. Socken aus Schurwolle und etwas Kunstfaser (3:1 Anteile) sorgen für Wärme am Fuß. Auch Socken aus speziellen Kunstfasern mit hohem Baumwollanteil, die man im Reitsportfachhandel oder bei den Wandersocken im Kaufhaus findet, sind empfehlenswert. Wichtig ist, dass die Strümpfe Wade und Fuß auf keinen Fall einengen.
Thermoreitstiefel sind schon seit vielen Jahren sehr beliebt. Sie sollten absolut wasserdicht sein. Reitstiefel, in die Wasser eindringt, verursachen im Winter besonders schnell kalte Füße. Auch die Freizeitreitern sehr beliebten Reitschuhe, die man gleichzeitig auch als Trekkingschuhe nutzen kann, bieten sehr guten Schutz vor Nässe. Sie werden meist aus Leder gefertigt und haben eine Sohle, die mit einer speziellen Schaumschicht Kälte fernhält. Hinzu kommt, dass diese Reitschuhe auf glattem Boden besseren Halt bieten als normale Stiefel. Mittlerweile gibt es für Reitstiefel auch Heizsohlen als Einlage. Die Sohlen werden über Kabel oder Stecker aufgeladen. Je nach Leistungsstärke des Akkus und Intensität der Nutzung können sie die Füße bis etwa acht Stunden warmhalten.

Gegen eisige Hände
Bei Winterhandschuhen stand der Reiter oftmals vor der Herausforderung, Wetterschutz und Wärmeleistung mit dünnen Materialien zu verbinden, um das nötige Feingefühl beim Reiten nicht zu beeinträchtigen. Heute gilt: Die Zeiten dicker Winterhandschuhe, bei denen man kaum guten Kontakt zum Pferdemaul hatte, gehören ebenso der Vergangenheit an wie klamme Finger durch dünne Sommerhandschuhe bei Minusgraden. Von innen wärmt heute Polartec-Fleece, außen schützt Gore-Tex gegen Nässe und der Handschuh wird dank Gore Softshell winddicht und dennoch atmungsaktiv.
Auch die Kombination aus Leder außen und Kaschmir innen bietet sich für die Winterzeit an. Diese Handschuhe sind sogar noch dünner und geschmeidiger als die synthetischen „Kollegen“. Selbstverständlich liegen die Kosten bei diesen Produkten höher, was jedoch gerade Sportreitern mit der Aussicht auf ein angenehmes Reitgefühl und feinfühliges Reiten auch im Winter nichts ausmachen dürfte.
Wer beim Ausritt ständig über kalte Hände klagt, sollte sich mit dem Gedanken an beheizbare Reithandschuhe auseinandersetzen. Sind die Hände ständig klamm und können womöglich in einer Notsituation nicht schnell und sicher den Zügel greifen, kann es gefährlich werden. Diese Produkte sind längt nicht mehr so teuer wie noch vor einigen Jahren und auch benutzerfreundlicher geworden. Meist funktionieren sie mit Hilfe eines kleinen Hochleistungs-Akkus, der sich über einen Adapter aufladen lässt. Die Heizkraft kann in mehreren Stufen reguliert werden. Für eine Dauer von etwa zwei Stunden können damit die Hände wohlig warmgehalten werden. Schon nach 30 Sekunden sind die Handschuhe angenehm warm. Nachteil: Sie sind meist voluminöser als normale Reithandschuhe und daher fürs jedes Training, bei dem mit der Hand feine Nuancen vermittelt werden müssen, nicht uneingeschränkt zu gebrauchen.

Heizelemente und Keramikfasern als neuer Trend
Mittlerweile finden sich Heizelemente nicht mehr nur in Handschuhen oder Einlegesohlen von Reitstiefeln, der Markt bietet auch Heizwesten an: Per Knopfdruck aktiviert der Träger einen Akku, der über Kabel mit in der Kleidung eingenähten oder eingesteckten Heizelementen verbunden ist. Über diese breitet sich die Wärme am Körper aus, was allerdings nur zuverlässig funktioniert, wenn eine weitere isolierende Kleidungsschicht darüberliegt. Die Westen sind jedoch allesamt recht dünn, sodass man sie gut als Zwischenschicht verwenden kann. Neben Akkus im Inneren der Westen werden auch leitfähige Karbonfasern eingesetzt.
Keramikfasern haben nicht nur bei Pferdedecken, sondern auch in der Reitbekleidung ihren Platz gefunden. Laut Herstellerangaben unterstützen sie vor allem bei Muskelverspannungen, Schulterbeschwerden, Rheuma sowie tauben Armen und sie regen die Durchblutung an. Sie werden in Funktionsshirts ebenso eingesetzt wie bei der Herstellung von Reithandschuhen. Die Wärme wird durch die speziellen Eigenschaften der Fasern länger am Körper gehalten, da die Keramikpartikel die körpereigene Wärme reflektieren. Text: Alexandra Koch, Fotos: Anja Metzdorf, Angelika Schmelzer

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