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Natural Horsemanship, eine Lebensphilosophie

Im Alter von acht Jahren hat das Schicksal es wohl so gewollt, mich meinen weiteren Lebensweg gemeinsam mit Pferden beschreiten zu lassen. Auf der Weide
nebenan, wo ich immer mit Freunden gespielt hatte, standen auf einmal Pferde.
Mit dabei war meine kleine Kimi, damals zwei Jahre alt, von ihren Vorbesitzern hochtragend und mit sehr starkem Ekzem aus schlechten Verhältnissen gerettet. Ich begann also, bei der Pflege des kleinen Ponys zu helfen und nach Geburt ihres Fohlens und Besserung ihres gesamten Zustandes starteten wir auch unsere ersten gemeinsamen Reitversuche. Beiderseits völlig unerfahren, verlief dies, wie so häufig, mit Abstreifen am Zaun, Buckeln und plötzlichem Stehenbleiben zum Grasen.
Schon bald hatte ich den Traum, mit Kimi eine so gute Partnerschaft zu erlangen, dass sie mir ohne Halfter und Seil folgen würde und ich sie ganz ohne Zügel überall hin lenken könnte. Bis dieser Traum Wirklichkeit wurde, verging noch einige Zeit des gemeinsamen Lernens mit vielen Höhen und Tiefen.
Die Prinzipien des Natural Horsemanship, die ich heute als Lebensphilosophie ansehe, halfen mir, die natürlichen Verhaltensweisen meines Ponys zu verstehen, ein Verhältnis von gegenseitigem Respekt und Vertrauen zu schaffen und über Körpersprache und positive Bestätigung die Freude an der gemeinsamen Arbeit zu wecken. Besonderen Wert lege ich auf die Einstellung. Es kommt nicht so sehr darauf an, was man mit seinem Pferd macht, sondern darauf, wie man es macht!
Ich bin bemüht, beim Umgang mit meinen Pferden sehr klar und sachlich zu sein, ihnen andererseits aber jeden Moment zu zeigen, wie sehr ich sie schätze und liebe. Für Pferde ist es ganz natürlich, immer wieder die Führungskraft des Leittiers zu
hinterfragen, denn ihm vertrauen sie sich an und nur, wenn er der Cleverste und Stärkste ist, wird er in der Lage sein, seine Herde zu beschützen. Dieses Hinterfragen werten wir häufig als Widersetzlichkeit und Dominanz. Verteidigen wir konsequent und verständlich unseren Standpunkt und sind sofort wieder positiv, wenn der
Konflikt gelöst ist, so zeugt das von guter Führungsqualität und das Pferd wird gern Verantwortung an uns abgeben und sich uns anschließen.

Kimi ist heute 25 Jahre alt und bestreitet gemeinsam mit Gipsy (Quarter Horse Stute, 19 Jahre), Samson (Rheinländerwallach, 18 Jahre), Kachina (Konikstute, 11 Jahre) und mir seit vielen Jahren Vorführungen und Lehrdemonstrationen auf verschiedenen Pferdemessen und ähnlichen Veranstaltungen. Mein Ziel dabei ist es, anderen Pferdemenschen zu helfen, ihre Pferde besser zu verstehen und als gutes Beispiel voran zu gehen, zu zeigen, wie viel Freude man gemeinsam haben kann, wenn man sich mit einer positiven Einstellung über Dinge freut, die gut klappen, anstatt sich über das zu ärgern, was vielleicht noch nicht so gut funktioniert. Und wenn ich mit meinen Pferden in eine Vorführung gehe, mache ich das mit genau dieser Einstellung. Ich freue mich, in den kommenden 15 bis 30 Minuten Spaß mit meinen Pferden zu haben und das Publikum daran teilhaben zu lassen. Und ich habe den Eindruck, dass auf diese Art und Weise auch meine Pferde Freude daran haben. Foto: Nicole Schick, Trio-Bildagentur

Zur Person:
Claudia Miller ist Tierärztin mit eigener Praxis für Chiropraktik, Akupunktur und Natural Horsemanship in Solingen.
Fasziniert von der natürlichen Kommunikation hat sie ihre Pferde nach den Konzepten des Natural Horsemanship ausgebildet und liebt die Liberty-Arbeit mit ihrem Quartett.
Inzwischen sind sie und ihre vier Pferde ebenso beliebte wie bekannte Gäste auf zahlreichen Events.

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